OsFa-Rückblick 4: Schützenfeste in Osnabrück – Tradition seit Jahrhunderten
Osnabrück, 17.06.2026. Heinrich Gosmann.
Wenn im Sommer wieder die Schützenfeste die Städte des Osnabrücker Landes beleben, blickt mancher kaum noch auf die Anfänge dieser Tradition zurück. Dabei reicht die Osnabrücker Schützenkette bis in das Jahr 1441 zurück, und das Bürgerschützenfest nahm seinen Anfang im Jahr 1832. Historische Berichte und Anzeigen aus den Osnabrückischen Anzeigen zeigen, wie aus einer bürgerlichen Schießveranstaltung über die Jahrzehnte ein großes gesellschaftliches Ereignis wurde – mit Vogelschießen, Festumzug, Ehrenschüssen und sogar einem königlichen Pokal.
Im Jahr 2024 feierten die Bürgerschützen von 1828 e.V. Osnabrück ihr 196. Bürgerschützenfest. Die traditionsreiche Schützenkette des Vereins reicht sogar bis in das Jahr 1441 zurück und zählt damit zu den ältesten Zeugnissen Osnabrücker Schützentradition. In Osnabrück bestehen heute 14 Schützenvereine, von denen sich allerdings nur noch wenige aktiv am Ausschießen des Stadtkönigs beteiligen. Das eigentliche gemeinsame Schützenfest der Bürgerschützen wurde zuletzt 1969 zusammen mit den Vereinen „Lustgarten“ und „Hasetor“ gefeiert, ehe die Vereine wieder getrennte Wege gingen.
Die Anfänge des Bürgerschützenfestes
Nach der Vereinsgründung im Jahr 1828 fand das erste Schützenfest am Mittwoch, dem 26. September 1832, auf der Eversburg statt. Der junge Verein war auf öffentliche Aufmerksamkeit angewiesen. Daher veranstaltete ein „verehrter Mitbürger“ ein Feuerwerk, dessen Einnahmen „zum Besten der Armen“ bestimmt waren. Von den erzielten 73 Talern konnten nach Abzug der Kosten mehr als 46 Taler an die Armenkommission übergeben werden.
Der erste Vereinsschießstand befand sich auf der Blankenburg in Hellern. Dort wurden im Sommer regelmäßig wöchentliche Schießübungen unter „umsichtiger Leitung“ abgehalten, wie das Adressbuch der Stadt Osnabrück von 1837 berichtet.
Das zweite Schützenfest 1833
Das zweite Schützenfest wurde am Mittwoch, dem 10. Juli 1833, erneut auf der Eversburg gefeiert – „nach der üblichen Weise anderer westfälischer Städte“. Erstmals erschien sogar eine gedruckte Beilage in den Osnabrückischen Anzeigen. Mittelpunkt des Festes war das öffentliche Vogelschießen, zu dem jedermann eingeladen war.

Beilage zu den Osnabrückischen Öffentlichen Anzeigen vom 3 Juli 1833.
(Quelle: OSFA-Sammlung Bohnenkamp)
Geschossen wurde ab drei Uhr nachmittags auf einer 75 Schritt langen Schusslinie. Die Kugeln mussten mindestens ein Achtzehntel Pfund wiegen, und die Teilnahme an der Auslosung der Schießnummern zum Adlerschießen kostete einen Taler. Für Unterhaltung sorgten „gute Musik, preiswürdige Erfrischungen und schnelle Bedienung“.
Wie damals üblich, eröffneten Ehrenschüsse honoriger Persönlichkeiten das Fest. Der erste Ehrenschuss für das Fürstentum und die Stadt Osnabrück wurde namens des Magistrats vom Kanzleiprokurator und Schützenmeister Klövekorn abgegeben. Weitere Ehrenschüsse galten der amtierenden Schützenkönigin Frau Postmeisterin Corsica, dem amtierenden Schützenkönig Dr. jur. Reinhardt sowie den Damen, die dem Verein eine Fahne gestiftet hatten.
Zum Schützenkönig wurde Johann Gottfried Lappe gekürt, auf den der erste und achte Haupttreffer entfielen. Er wählte Frau Catharina Louise Richter, geborene Bröcker, zu seiner Schützenkönigin. Auch die einzelnen Treffer auf den Adler wurden genau dokumentiert: Kopf, Krone, Ring, Flügel, Klauen und Schweif gingen an verschiedene Handwerker und Bürger der Stadt.

Osnabrückischen Öffentlichen Anzeigen, 27. Juli 1833. (Quelle: OSFA-Sammlung Bohnenkamp)
„Auf Moskau“ – das Schützenfest 1834

Zusammenstellung aus der Topographische Karte der Landdrostei Osnabrück,
Teil 1: Fürstentum Osnabrück, Bl. 38: Osnabrück und Bl. 44 Ohrbeck, Harderberg, Wulften. 1834-1852.
(Niedersächsisches Landesarchiv Abteilung Osnabrück,
NLA OS K 300 Nr. 1 M Bl. 38, NLA OS K 300 Nr. 1 M Bl. 44. Verwendung mit freundlicher Genehmigung).
Das dritte Schützenfest fand am Sonntag, dem 15. Juni 1834, „auf Moskau“ statt. Gemeint war das damalige Kaffeehaus Moskau im Südwesten Osnabrücks, das bereits auf der Gauß-Karte (1834/52) verzeichnet ist. Über die Herkunft des Namens gibt es unterschiedliche Deutungen – möglicherweise stand er im Zusammenhang mit Napoleons Russlandfeldzug oder leitete sich von einer plattdeutschen Bezeichnung für eine „moosige Aue“ ab.

Osnabrückische Oeffentliche Anzeigen vom 4. Juni 1834
(Quelle: OSFA-Sammlung Bohnenkamp)
Erstmals wird von einem festlichen Umzug berichtet, der, wie schon im Vorjahr, durch geschmückte Straßen führte. Zahlreiche Wirte und Händler nutzten das Festgeschäft. So warb der Wirt Knapp mit einem hervorragenden Blick auf die Vogelstange und bot Butterbrote, Kuchen, Eierbier sowie verschiedene Biersorten an. Der Verkauf von Wein und Branntwein wurde ihm allerdings behördlich untersagt.
Auch andere Händler versorgten die Gäste mit Gebäck und Erfrischungen. Zudem wurde ein gedrucktes Festprogramm mit Liedern verkauft, dessen Erlös ebenfalls den Armen zugutekam.
Das Schützenfest wächst
1836 wurde bereits drei Tage lang gefeiert. Das Vogelschießen fand nun in Lührmanns Garten zu Moskau statt. Die Schusslinie war mit Warnflaggen und Signalen gesichert und über mehr als tausend Schritte gekennzeichnet und bewacht. Während des Festes durften nur behördlich genehmigte Wirtschaften betrieben werden; der Ausschank von Branntwein blieb untersagt.
Die Organisation des Festes lag jeweils in den Händen eines jährlich neugewählten Schützenfest-Vereins. Dieser setzte sich aus Präsident, Schützenchef, Beisitzern, Kompanieführern, Sekretär und Auditor zusammen. Nach Abschluss des Festes und der Rechnungslegung löste sich das Gremium wieder auf.

Osnabrückische Oeffentliche Anzeigen vom 29. Juni 1836
(Quelle: OSFA-Sammlung Bohnenkamp)
Das Fest entwickelte sich zunehmend zu einem gesellschaftlichen Ereignis. Händler boten sogenannten „Schützenkuchen“ an, neben Backwaren und Butterbroten auch „portionsweise“ Fleischgerichte und natürlich Bier, sowohl bayrisches wie auch hiesiges. Es war sogar eine Kegelbahn aufgebaut.
Festordnung und Tracht im Jahr 1837
Die Vorbereitungen für das Schützenfest vom 2. bis 4. Juli 1837 zeigen bereits eine bemerkenswerte Organisation. Teilnehmer mussten Festabzeichen sichtbar tragen: blaue Bänder für Vereinsherren, dunkelrote für Damen, grüne für junge Herren unter 20 Jahren und hellrote für Kinder.
Auswärtige Teilnehmer hatten sich in ein Register einzutragen und erschienen im vorgeschriebenen Kostüm mit grünem Oberrock, weißen Hosen, grüner Kappe sowie Jagdtasche und Büchse. Antreten auf dem Marktplatz war um vier Uhr nachmittags, geordnet nach Kompanien.
Mitten in den Vorbereitungen starb jedoch König Wilhelm IV. von Hannover, weshalb das Fest zunächst abgesagt und später vom 23. bis 25. Juli nachgeholt wurde.

Osnabrückische Oeffentliche Anzeigen vom 3. Mai 1837
(Quelle: OSFA-Sammlung Bohnenkamp)
Ein königlicher Pokal für Osnabrück
Im Frühjahr 1838 erhielt der Verein eine besondere Ehrung: Königin Friederike von Hannover ließ dem Schützenverein einen silbernen Pokal übersenden. Anlass war ein erfolgreicher Ehrenschuss beim vorjährigen Fest, der zu ihren Ehren abgegeben worden war.
Der Pokal trug auf der Vorderseite das königliche Wappen und auf der Rückseite die Inschrift: „Friederike Königin von Hannover dem Schützen-Verein der Stadt Osnabrück 1837“. In ihrem Schreiben äußerte die Königin den Wunsch, dass der Pokal die Erinnerung an sie im Kreis ihrer „getreuen Unterthanen“ wachhalten möge. Das wertvolle Geschenk wurde anschließend öffentlich im Friedenssaal des Rathauses ausgestellt.
Weitere Entwicklung
1839 wurde das Schützenfest auf dem Schützenhof zur Crispinsburg in Schinkel gefeiert. Wie bereits im Vorjahr veranstaltete man am Nachmittag einen Kinderball für die Familien der Vereinsmitglieder. Anschließend folgte ein Ball für die Erwachsenen.
Mit dem Wachstum des Festes nahm auch der organisatorische Aufwand zu.1851 sah sich die Stadt sogar veranlasst, besondere Regelungen für die Lohnkutscher zu veröffentlichen. Der Festzug führte vom Marktplatz über Krahnstraße, Hakenstraße und weitere Straßen bis zur Herrenteichsstraße, von wo nummerierte Kutschen die Besucher für zwei Gutegroschen pro Person zum Schützenhof brachten. Selbst die Fahrtrichtung der Wagen auf dem Festgelände war genau vorgeschrieben.

Maßstab 1:25000. Quelle: Meßtischblatt 2011: Osnabrück, 1934 (Auszug).
© SLUB Dresden / Deutsche Fotothek. Verwendung mit freundlicher Genehmigung.
So entwickelte sich das Osnabrücker Schützenfest im Laufe des 19. Jahrhunderts von einer bürgerlichen Schießveranstaltung zu einem bedeutenden gesellschaftlichen Ereignis der Stadtgeschichte.
Quellen: Osnabrückische Öffentliche Anzeigen 1832–1851, OSFA-Sammlung Bohnenkamp; Adressbuch der Stadt Osnabrück 1837; Bürgerschützen von 1828 e. V. Osnabrück; Wikipedia; Hasepost, 09.08.2024; Neue Osnabrücker Zeitung, 11.03.2020.
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