OsFa-Rückblick 1
Als der erste „Vergnügungs-Extrazug“ zum Piesberg fuhr
Osnabrück, 21.03.2026, Heinrich Gosmann
Bald ist es wieder soweit, und die Feldbahnen am Piesberg rollen wieder. Kaum zu glauben, aber alles begann bereits im Jahr 1860. Schon damals war der Piesberg nicht nur Arbeitsort und Steinbruchgelände, sondern auch ein Ausflugsziel für die Menschen aus Osnabrück und Umgebung.
Davon berichten zwei kleine, aber aufschlussreiche Meldungen in den “Osnabrückischen Anzeigen“ vom 7. und 9. Juni 1860. In der Ausgabe vom 7. Juni heißt es, in Osnabrück sei längst bekannt, „welche schöne Aussichtspunkte unser Piesberg darbietet“. Besonders hervorgehoben wird die Anhöhe oberhalb des Hasestollens. Zugleich kündigte das Blatt an, dass von nun an „Vergnügungs-Extrazüge“ zum Piesberg fahren sollten: der erste bereits am kommenden Sonntag, danach sonntags alle 14 Tage sowie mittwochs mit dem nach dem Piesberg fahrenden Kohlenzug.

Zwei Tage später, am 9. Juni 1860, wurde es konkret. Für Sonntag, den 10. Juni, wurde ein Extrazug mit Personenbeförderung in der 3. Wagenklasse angekündigt. Die Abfahrt in Osnabrück sollte nachmittags um 3 Uhr erfolgen, die Rückfahrt vom Piesberg nach Osnabrück abends um 7 Uhr. Der Preis für eine Fahrt betrug 2½ Groschen.
Passend dazu schaltete auch ein Gastwirt am Piesberg eine Anzeige. Er empfahl seine „am schönsten Punkte des Berges oberhalb des Bahnhofes eingerichtete Restauration“ und versprach gute und „reelle Bedienung“ sowie diverse Erfrischungen. Damit wird deutlich: Schon 1860 verband sich der Ausflug zum Piesberg mit mehreren Dingen zugleich – mit der Bahnfahrt, der Aussicht und der Einkehr vor Ort.
Diese frühen Zeitungsnotizen zeigen, wie schnell die neue Eisenbahn nicht nur wirtschaftliche, sondern auch gesellschaftliche Folgen hatte. Der Piesberg wurde erreichbar, er wurde beworben, und er wurde als Ort des Vergnügens entdeckt. Was heute mit den Feldbahnen viele Besucherinnen und Besucher begeistert, hat also eine überraschend frühe Vorgeschichte.
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